23. Feb 2007: Auf dem Highway ist die Hölle los...

Gestern nach der Arbeit heute musste ich mich beeilen, denn ich hatte es versäumt in den letzten Tagen meinen Teil des Appartments etwas in Ordnung zu bringen. Schließlich erwartete ich einen Wochenend-Übernacht-Gast. Sarah, aus Atlanta hatte sich angemeldet. Ich hatte sie über Silvester in Georgia besucht und nun war es endlich an der Zeit, dass sie das Florida kennen lernt, von dem ich ihr schon immer am Telefon erzählt habe.

Der Flieger landete pünktlich…und ich war es auch. Am Gepäckband wartete ich auf sie, als Sarah zwischen anderen Fluggästen die Rolltreppe hinunter gefahren kam. Wir fielen uns in die Arme und wollten uns erst gar nicht wieder los lassen. Es war ein so schönes Gefühl, endlich wieder einen Freund zu sehen und in die Arme zu nehmen, den man schon so lange aus Deutschland kennt.

Nachdem wir ungefähr 20 Minuten auf ihren Koffer gewartet haben, konnten wir uns auf den Weg zum Auto machen. Wohl bemerkt: ihr Koffer hatte ungefähr eine Größe von einer TicTac Schachtel. // ((Sorry Sarah!, dass musste ich hier noch einmal los werden! *g )). Ab durch die Parkschranke und direkt rauf auf den Highway. Plötzlich spürten wir zweimal einen kurzen aber doch kräftigen Ruck, der das Auto erschütterte. Beim zweiten Ruck leuchtet dann auch zur Untermalung das Warnzeichen „Check Engine“ im Armaturenbrett auf. Ich dachte nur „Jetzt reichts!“. Die Karre hat erst 800 Dollar Reparaturkosten verschlungen. Jetzt wird gefahren soweit es geht. Und das Auto lief ja auch, nur die Lampe leuchtete! Der Weg sollte uns an den Ort führen, der wohl alle Touristen nach Florida zieht: der Strand. Es war zwar schon dunkel, aber das Rauschen der Wellen und die Lichter der Schiffe am Horizont ließen erahnen, wie es wohl am Tage aussehen mag. Da ich das ja schon mittlerweile ganz gut weiß, habe ich Sarah in den Ohren gelegen und geschwärmt und geschwärmt und geschwärmt.

Zurück in Plantation, Fort Lauderdale West angekommen hat uns der Hunger zu TGI Friday’s geführt. Bei einem Club Sandwich und einem Burger mit Pommes haben wir dann endlich wieder, ganz entspannt Auge in Auge, über so einige Sachen quatschen können.

Als wir dann heute Morgen aufgestanden sind und unser Frühstück (Donuts und Kaffee) gemütlich auf der Terrasse von Starbuck’s Coffee genossen haben, entschieden wir uns auf die erste Insel der Florida Keys „Key Largo“ zu fahren. Dieser Ort war nur 90 min entfernt und pünktlich, als ich den Motor startete, erlosch auch wieder das Warnlicht „Check Engine“, welches seit dem Vorabend ununterbrochen geleuchtet hatte. Die Vorfreude war riesig, wir hatten Wasserflaschen auf der Rücksitzbank und die Badeklamotten im Kofferraum.

Der Weg führte uns erst auf den Highway 595 Richtung East und dann weiter auf der I-95 Richtung South. Und von Fort Lauderdale auf der I-95 South bedeutet wir fahren Richtung Miami. Der Verkehr war schon ganz schön heftig, gerade um Miami herum. Auf dem Highway, teilweise bis zu 6 Spuren, wo auf allen Spuren überholt werden kann – egal ob von links oder rechts. Als wir an Miami Downtown vorbei gefahren sind, dachte ich nur, hätte ich mir mal besser noch eine Sonnebrille gekauft. Wir fuhren auf der ganz linken Spur, plötzlich eine Bodewelle. Danach nur noch ein starkes Ruckeln des Autos. Der Motor war aus, die Automatik Schaltung blockierte ebenso das Lenkrad. Ich schaffte es gerade noch auf den linken Seitenstreifen zu lenken und da standen wir auch schon und nichts ging mehr. Wir guckten uns beide ratlos an, als schon der erste Wagen mit mehr als 70 mph ( ~ 95 km/h) direkt an meinem Auto vorbeirauschte. Wir standen nun auf dem Seitenstreifen, der ca. genauso breit ist, wie mein kaputtes Auto.

(Blick aus dem Beifahrer Rückspiegel)

Mein erster Gedanke: AAA anrufen (das amerikanische ADAC). Dort bin ich seit knapp 2 Wochen Mitglied. Was für ein Glück in diesem Moment! Ich versuchte der netten Dame am anderen Ende auf englisch die Situation zu erklären, den Ort zu beschreiben wo wir uns befinden und das es nicht gerade eine sichere Stelle, an der wir uns gerade aufhielten. Sie sah das auch sehr schnell ein und bemerkte, dass sie den nächsten Wagen direkt losschicken wird. Das könnte aber bis zu 45 min dauern. Es wurde langsam richtig heiß im Auto. Dieser Gedanke und der, dass uns jederzeit ein anderes Auto hinten drauf rauschen könnte, brachte uns dazu auszusteigen und es wurde erst einmal eine Zigarette angezündet.

(Während des Telefonats mit dem AAA)


Draußen, unter blauem Himmel und prallender Sonne, sahen wir, dass wir unmittelbar hinter einer Kurve liegen geblieben sind. Cool, es wird noch gefährlicher! In diesem Moment wurden unsere Fotokameras ausgepackt. Das musste unbedingt festgehalten werden. In alle Richtungen gingen die Schnappschüsse.

(Was machen wir denn jetzt nur?)

Nach den ersten Bildern und zwei Zigaretten kam dann der Mechaniker in mir hoch.
Ich hatte ja schon in den vergangenen 3 Wochen so meine Erfahrungen gemacht. Also Motorhaube auf und wie ein Spezialist in den Motorraum geguckt. Aber, wie sollte es auch anders sein: Ich habe nichts entdeckt! Und der Batteriekontakt konnte es schlecht gewesen sein, denn dieser wurde ja erst ausgewechselt. Aber da eine Batterie immer zwei Kontakte hat, wollte ich den Versuch starten und den zweiten Kontakt testen. Also musste ich Sarah anschreien (anderes haben wir uns nämlich bei dem Lärm der vorbeirauschenden Autos nicht verstehen können) und sie bitten einzusteigen. In dem ich am Kabel gewackelt habe, sollte sie mir ein Zeichen geben, ob wenigstens die Lichter im Armaturenbrett wieder leuchteten. Und siehe da, es funktionierte. Die Lichter waren wieder da, inklusive „Check Engine“ und die Klimaanlage lief. Der Motor ließ sich auch wieder starten. Der Fehler war gefunden. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Ein mögliches anderes Problem verbunden mit wiederholt teuren Reparaturkosten hätte nicht nur unser Wochenende gefährdet, sondern auch zum Ende meines Florida Aufenthaltes geführt. Der Wagen hatte schon mehr Geld verschlungen, als er eigentlich gekostet hatte und dieses Spiel wäre ich nicht bereit gewesen, weiter zu führen.
(Nico als Mechaniker)
Hoch motiviert wurden weitere Fotos gemacht als dann wieder mein Handy klingelte.
Der amerikanische ADAC wollte wissen, ob ich mit den Leistungen bisher zufrieden war. Ist schon komisch: da steht man als Deutscher auf einem amerikanischen Highway fest, tausende Gedanken schießen einem durch den Kopf. Ich hatte mich fast schon im Flugzeug zurück nach Deutschland sitzen gesehen und die fragt mich, ob ich mit dem Service zufrieden war? Natürlich nicht, denn bisher war noch keine Hilfe da und noch immer hielten wir uns an einem nicht ganz sicheren Ort auf. Sie entschuldigte sich und erkundigte sich, wann denn der Abschleppdienst bei uns eintreffen würde. Außerdem bot sie mir an, eine Polizeistreife zu schicken, da auch sie einsah, dass wir nicht sicher standen. Ehrlich, in diesem Moment, dachte ich nicht unbedingt an unsere Sicherheit. Ich dachte nur, wenn dann schon das ganze Packet! Schließlich bin ich in Amerika!
(Sarah und ich mittem auf dem Highway beim Fotos machen)

Es dauerte keine 5 Minuten: eine Polizeistreife überholte unseren Wagen, bremste ab, fuhr auf den linken Seitenstreifen und setzte langsam den Rückwärtsgang ein.

(Die Polizei rückt an)

Eine Polizei-Frau stieg aus und fragte ob wir Hilfe benötigen. Ich erklärte ihr unsere Situation kurz und sie fing direkt an, an einer Lösung zu arbeiten. „Wir müssen den Wagen, auf die andere Seite bringen!“ Alles klar, guter Vorschlag. Aber wie?
Sie lief hinter unseren Wagen – auf die erste Fahrspur und streckte den Arm nach vorn. Was tat diese Frau da? Ist sie lebensmüde? Bevor wir uns versahen, kam sie wieder vom ganz rechten Fahrstreifen zu unserem Auto gerannt. Da hat diese kleine zierliche Frau den Verkehr auf allen Spuren angehalten! Kaum zu fassen! Sarah und ich, wir standen dort und haben den Mund nicht mehr zubekommen. Alle 4 Spuren des Highways standen still. Nun war der Moment gekommen, den Wagen auf die andere Seite zu schieben. Es ging alles so schnell. Sarah und ich stiegen schnell durch die offene Fahrertür in mein Auto an. Die Polizistin schrie, ich müsse die Zündung an machen und den Ganghebel auf „Fahren“ stellen. Ich weiß gar nicht was das genau auf Englisch heißt, ich habe es aber irgendwie verstanden! Sarah und ich saßen also wie zwei Touristen in meinem Auto, welches von einem waschechten Police-Office quer über den Highway geschoben wurde! Ein Traum wird wahr...
Nachdem Sarah der Polizistin noch kurz Hilfe angeboten hatte und dieses sarkastisch mit: „Das wäre echt toll!“ erwidert wurde, schoben also zwei Frauen mein Wagen. Im dem Eintreffen der Polizei bis zum Ankommen auf dem rechten Seitenstreifen vergingen vielleicht 2 Minuten. Es ging alles so verdammt schnell. Und noch schneller lief der Verkehr wieder und auch die Polizistin verschwand in dem Verkehr. Wir konnten noch nicht einmal „Danke“ sagen. Dafür haben wir gewunken und wieder Fotos gemacht.

(Mit winkenden Händen verabschiedet - die Retterin!)


Kurze Zeit später kam auch schon der Abschleppwagen. Ich war gerade dabei den AAA anzurufen und Bescheid zu geben, dass sich unsere Position geändert hat.
Ich erklärte dem Mann, was das Problem ist. Er sagte, er könne da jetzt leider nicht helfen. Der Motor lief ja auch wieder. Er sagte nur, ich müsse das reparieren lassen und fuhr wieder. Na toll. Also blieb uns nichts anderes übrig, als zu versuchen mit dem Wagen zurück zu fahren. Key Largo war da für heute erstmal vergessen.

(Der Abschleppwagen des AAA)

Auf dem Rückweg, immer auf der rechten Spur mit minimal Geschwindigkeit, den Blick immer wieder auf dem Armaturenbrett. Wir waren beide so angespannt, dass wir kaum mit einander redeten. Bei jeder Bodenwelle oder Erschütterung zuckten wir zusammen. Immer mit dem Gedanken gleich geht’s wieder auf die Rettungsspur. Noch einmal mussten wir diese Spur nutzen, da der Motor wieder ausging. Aber im gleichen Moment sprang er dann wieder an und wir fuhren weiter.

Es war Freitagnachmittag. Meine Werkstatt hat bis 17:00 Uhr auf. Ich wollte das noch repariert bekommen, dass wir das Auto über das Wochenende nutzen konnten. Glück gehabt: In der Werkstatt angekommen, wurde der Motor direkt ausgelesen. Danach auch der zweite Batteriekontakt ausgewechselt und alles lief wieder wie geschmiert. Der Mechaniker Jason wollte noch nicht einmal Kohle dafür haben, hatte ich ja schon vor 4 Tagen knappe 500 Dollar dort gelassen.

(Die Werkstatt von Dustin & Jason)

So, nach dem ganzen Stress der letzten Stunden unter der heißen Sonne Floridas haben wir beschlossen, erst einmal einen Kaffee trinken zu gehen. Wie wir dort so saßen und noch einmal alles Revue passieren ließen fingen wir an zu lachen. Diese Abenteuer ist noch einmal gut ausgegangen.

Um die Sonne dann auch noch wirklich zu genießen, sind wir in Fort Lauderdale an den Strand gefahren: Wir sind im Atlantik schwimmen gewesen und haben uns dann von den letzten Strahlen trocknen lassen.

(Auf der Rückfahrt vom Strand dem Sonnenuntergang entgegen)

Am Abend haben wir dann noch ein Kino aufgesucht und uns den Film „The Messengers“ angesehen.

Was für ein Tag! Wahrscheinlich der aufregendste Tag, den ich bisher hier im Land der unbebrenzten Möglichkeiten erlebt habe! Ein Tag wie im Film...