27. Sep 2006: Die Anreise

Heute ist Donnerstag, der 27. September 2006. Es ist 04:45 Uhr morgens. Als ich aufgewacht bin, realisierte ich, das es nun losgeht. Der Tag war gekommen, an dem ich für 18 Monate Deutschland verlasse um in den USA meine Erfahrungen zu sammeln, arbeiten zu gehen und natürlich jede Menge Spass erleben möchte...

In den vergangenen Wochen ist viel passiert. Eigentlich schon seit einigen Jahren spielte ich mit dem Gedanken ins Ausland zu gehen. Aber wie es so ist, kommt immer mal was dazwischen. Es war irgendwie nie der richtige Zeitpunkt dafür...oder es fehlte einfach nur der Mut den Stein ins Rollen zu bringen. Im Frühjahr dieses Jahres war es dann soweit. Ich hatte in mir immer wieder dieses stärker werdende Gefühl nach Veränderung. Ich war innerhalb von Deutschland einige Male umgezogen. Habe in Dortmund, Frankfurt am Main und schlussendlich in Berlin gewohnt und gearbeitet. Nun musste etwas passieren, was noch nie dagewesen ist: das Ausland.

Im Mai hatte ich ein Gespräch mit der Agentur in Maastricht, die mir anschliessend geholfen hat, eine Arbeitstelle in den USA zu finden und auch bei der Abwicklung für das Visum sowie der Versicherung unterstüzt hat. Diese Agentur hat aufgrund meiner bisherigen Qualifikation offene Stellen herausgesucht und mir entsprechende Angebote zugeschickt. Darunter waren unter anderem Hotels in Chicago, New Orleans, Washington D.C. - aber da wollte ich nicht unbedingt hin. Ich hatte immer auf ein Angebot aus Californien oder Florida gewartet. Die Angebote kamen wöchentlich und so sog es sich eine Weile, bis dann Fort Lauderdale in meinem e-Mail-Posteingang landete. Ohne zu zögern unterschrieb ich die Papiere und faxte sie umgehend zurück. Zwei Tage später sollte ich dann schon ein telefonisches Interview-Gespräch mit dem Hotel haben. Plötzlich ging alles so schnell. Ich war so nervös während des Telefonates, wie schon lange nicht mehr. Am nächsten Morgen (22. August 2006) als ich meine e-Mails abgerufen habe, hatte ich bereits die Zusage des Hotels aus Florida in meinem Postfach. Es hatte geklappt!!!

Nun waren noch knapp 4 Wochen Zeit um ein Visum zu beantragen und die Botschaftsgänge in Berlin zu erledigen. Meinen derzeitigen Job zu kündigen, das Auto zu verkaufen, die Wohnung aufzulösen sowie das Flugticket zu buchen. Im Nachhinein vergingen diese 4 Wochen buchstäblich wie im Flug.
Nachdem ich gut aus dem Bett gekommen war und ich auf die zwei grossen gepackten Koffer starrte wurde mir klar, dass dies fast alles ist, was ich nach den vergangen 4 Wochen noch besitze - plus ein Flugticket nach Florida. Ich wurde ziemlich nervös. Im Flur begegnete ich dann meinem älteren Bruder und seiner Freundin. Ich hatte bei ihnen in Frankfurt/Oder die letzten 3 Nächte verbracht, nachdem ich meine Wohnung in Berlin aufgegeben hatte. Ich wurde gefragt: "Na, alles klar?" - Ehrlich: Nein, war es nicht, aber das nützte jetzt auch nichts mehr, da musste ich jetzt durch.

Gegen 06:00 Uhr kamen dann meine Mama sowie ihr Freund. Beide hatte sich den heutigen Tag frei genommen, um mich zum Flughafen Tegel nach Berlin zu bringen. Mein älterer Bruder und seine Freundin kamen natürlich auch mit. Auf der Hinfahrt zum Flughafen habe ich noch einmal kurz mit meinem Papa telefoniert. In den vergangen Tagen habe ich einige Verabschiedungs-szenen hinter mich bringen müssen. Eine der Schwierigsten war das "Auf Wiedersehen"-sagen zu meinem jüngeren Bruder Florian. Er fehlt mir jetzt schon sehr!

Der Flug nach Paris war bereits angeschlagen. Ich checkte also ein und gab meine Koffer auf. Nun war es nun noch eine knappe Stunde. Wir setzten uns alle an einen Tisch. Es gab Kaffee und eine Flasche Sekt. Alles war sehr bewegend und ich mußte mich wirklich zusammenreißen. Und schneller als ich mich umsehen konnte war auch schon der Zeitpunkt gekommen, sich von einander zu verabschieden. Jeder hatte nun die Tränen in den Augen. Und mein Bruder Marco sagte zu mir: "Verspreche mir bitte das du zurück kommst!". In diesem Moment konnte ich ihm keine Antwort darauf geben. Ich drückte meine Mama noch einmal richtig fest, bevor es dann Zeit wurde hinter der Sicherheitskontrolle zu verschwinden.


Um 09:55 Uhr hob der Flieger dann Richtung Paris - Charles de Gaulle ab mit Weiterflug um 13:20 Uhr nach Atlanta. Von Atlanta ging es dann Ortzeit um 19:10 Uhr weiter Richtung Fort Lauderdale. Ziemlich fertig bin ich schließlich in Florida um 21:00 Uhr gelandet. (Ortzeit in Deutschland 03:00 Uhr nachts).


Ich war also in Florida. Aber mein Gepäck war noch in Atlanta. Denn dort hatte jemand meine blaue Reisetasche mit seiner eigenen verwechselt. Diese fremde blaue Tasche zog dort auf dem Laufband der Gepäckausgabestelle seine Kreise…und meine war weg! Ich erklärte dem Flughafen-Angestellten meine Situation. Warum auch immer, ich weiss es nicht, haben die Angestellten des Flughafens in Atlanta meinen Koffer auch gleich dort behalten.

Ich wurde am Flughafen in Fort Lauderdale von Dana (Personalleiterin) and Susan (Front Office Manager) abgeholt. Die beiden sind sehr freundlich; ein bisschen "small talk" auf englisch (das ging ganz gut) und dann im Auto zum Hotel. Direkt neben dem Hotel gibt es ein Restaurant namens "Cheeseburger in Paradise". Dort haben mich beide zum Essen eingeladen. Neben live Musik gab es natürlich Cheeseburger. Willkommen in Amerika! Aber beide merkten wohl auch, das ich sehr erschöpft von dem langen Tag war. Deshalb gab es anschließend nur eine kleine Hotelführung, die dann auf meinem Zimmer endete. Mir wird für die kommende Zeit eine der 264 Suiten zur Verfügung gestellt, solange bis ich eine eigene Unterkunft gefunden habe (max. 4 Wochen).

Diese Suiten sind wirklich schön und vor allem groß. Es gibt neben einer kleinen Küche mit Mirkowelle und Kühlschrank einen großen Schreibtisch mit Internetzugang. Ein Wohnraum und einen Schalfraum jeweils mit großem Fernseher. Und natürlich ein geräumiges Badezimmer mit Badewanne/Dusche.

Zu guter letzt klopfte es dann gegen 02:30 Uhr nachts an meiner Tür. Das verschollene Gepäck wurde gebracht. Nun konnte ich beruhigt schlafen gehen. Auch wenn alles um mich herum so fremd war, war ich so erschöpft, dass das Einschlafen nach 26 Stunden Aufregung kein Problem war.